Samstag, 23. August 2014

Chill mal, Frau Freitag - aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin - Frau Freitag




Das rappende Klassenzimmer

Eine der Lieblingsbeschmimpfungen aller Schüler ist ja Spast. Jedes Mal, wenn ich das Wort höre, frage ich die Schüler: "Weißt du denn, was ein Spast ist?" Und ich bekomme immer die gleiche Antwort: "Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel." Da steht also ein riesiger arabischer Schüler vor mir, wahrscheinlich mit Totschläger und Messer in der Tasche und einer kiloschweren Schüler- und Polizeiakte, und denkt, ein Spast sei ein kleiner Vogel.

Frau Freitag ist Klassenlehrerin einer überdrehten und recht leistungsschwachen 9. Klasse in einer deutschen Großstadt. Ihr Alltag ist absurd-komische Realsatire - verrückt, anrührend und vor allem sehr lustig.
 
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Autor: Frau Freitag
Verlag: Ullstein 
Seiten: 336 Seiten
Preis: € 9,99 [D] | € 10,30 [A]







Die Story:

Frau Freitag, Gesamtschulen Klassenlehrerin einer Problemklasse mitten in der deutschen Großstadt. Ihre einzigen Verbündeten: Frau Schwalle und Fräulein Krise. Ihr Gegner: "[...]Blutdruck-Yusuf, der hyperaktive Dschingis, die neurotische Christine und viele andere Schüler, die nicht genau wissen, was ihnen lieber ist: ihre deutsche Heimat oder ihr türkisches Herz."
Und trotzdem liebt Frau Freitag ihren Beruf. Etwas Anderes kommt für sie gar nicht in Frage. Aber wie bändigt man einen Haufen voller Spezialfälle mit den Kollegen im Nacken, die dich wegen deiner Klasse immer schief anschauen?

Mein Eindruck:

Chill mal Frau Freitag ist das erste Buch einer Reihe von Frau Freitag. Laut Buch wirklich eine Lehrerin, die 1968 geboren wurde und schon immer diesen Beruf ausüben wollte. Sie unterrichtet Englisch und Kunst an einer Gesamtschule in einer deutschen Großstadt. So ganz sicher ist man sich allerdings nicht wie weit das erfunden ist. Zum Teil erscheint es mir manchmal etwas unglaubwürdig, dass Sie wirklich Lehrerin sein soll.

Durch Ihre Anonymität kann Sie aber unerkannt bleiben und somit mehr eigene Ansichten einfließen lassen, die sonst als Lehrer unangebracht wären. Durch die Erwähnung "Hackepeter" vermute ich mal Ostdeutschland. Und bevor hier irgendwer auf die Idee kommt: "Hey, nich auf Ossis rumhacken..." ich bin auch Ossi und stolz drauf, auch wenn ich nicht mehr in den neuen deutschen Bundesländern wohne.

An sich ist das Buch, mit ein paar Ausnahmen, wahnsinnig witzig. Die Ausnahmen: Es tut mir leid, aber mit manchen Aussagen und Ansichten von Frau Freitag bin ich einfach nicht konform und deswegen finde ich sie auch nicht lustig. Thema Lieblingsschüler und Benotung, um nur eins zu nennen. Neutral gesehen ist das vielleicht lustig, wenn ich aber daran denke, dass es wirklich so zugeht in deutschen Schulen, und sorry so ist es leider, dann finde ich das echt schwach, ungerecht und gar nicht lustig.

Aber es gibt wirklich eine Menge Aspekte, die dieses Buch wahnsinnig amüsant machen. Frau Freitag macht ein Experiment um Schimpfwörter abzuschaffen, indem Sie die Ausdrücke aufzählen und sich die Bedeutung, wen diese Wörter verletzen und wie verletzend sie sind erklären lässt. Geht natürlich nach hinten los, aber der Weg dahin ist einfach nur zum Schießen. Da viele Schüler in Frau Freitags Klasse einen Migrationshintergrund haben, ist natürlich auch das "Türkendeutsch" sehr präsent. Die Komik die dadurch entsteht hat etwas von Türkisch für Anfänger oder Fack ju Göhte.

Auch wenn man mal den Eindruck gewinnen kann: Mein Gott bist du blöd! So wachsen einem die Schüler immer mehr ans Herz und man beginnt sie zu verstehen. Denn hinter der Fassade steckt meist mehr als nur leeres dummes Gelaber und der Mensch ist und bleibt nunmal ein Rudeltier.

Frau Freitag ist Bloggerin auf wordpress. Wer sich mal Ihre Art zu schreiben ansehen und mehr über sie in Erfahrungen bringen möchte, sollte einfach mal Na wie wars in der Schule? - wie immer... reinschauen.

Mein Fazit:

Wer die Filme Türkisch für Anfänger oder Fack ju Göhte mochte, für den gehört dieses Buch einfach ins Bücherregal. Man sollte das Buch nicht allzu ernst nehmen und muss über gewisse Ansichten hinwegsehen, dann steht dem Leseerlebnis nichts im Wege.

Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt - Stephan Orth & Antje Blinda

>>Bei uns erleben Sie zwei Landungen zum Preis von einer!<<

Piloten ohne Orientierung, abstürzende Bordcomputer, Kühe auf der Landebahn: So manche Durchsage aus dem Cockpit treibt selbst erfahrenen Passagieren die Schweißperlen auf die Stirn. Hunderte Leser haben ihre Anekdoten aus der Flugzeugkabine an SPIEGEL ONLINE geschickt. Die besten und lustigsten Sprüche sind in diesem Buch versammelt. Also schnallen Sie sich an, klappen Sie dieTische hoch, und stellen Sie die Sitzlehnen aufrecht. Denn: Meine Damen und Herren, das wird ein holpriger Ritt!

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Autor: viele anonyme Flugreisende, deren Texte von Stephan Orth & Antje Blinda zu diesem Buch zusammengefasst wurden.
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-548-37326-3
Seiten: 192 Seiten
Preis: € 7,95 [D] | € 8,20 [A]





Story:

Kurz und knapp:
Ganz kurze humorvolle Geschichten und Sprüche aus den Flugzeugkabinen dieser Welt - von verbalen Ausrutschern, Situationskomik und haarsträubenden Erlebnissen ist alles dabei.

Der Aufruf von Spiegel Online:
Was haben Sie auf Flugreisen erlebt? Bei welchen Ansagen aus dem Cockpit verschlug es Ihnen den Atem, wann mussten Sie schmunzeln?
Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen - und mailen Sie sie an pilotensprueche@spiegel.de. Die besten Einsendungen werden auf SPIEGEL ONLINE veröffentlicht. Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an dem Material besitzt und mit der Veröffentlichung einverstanden ist.

Auch weiterhin gilt dieser Aufruf. Und was nicht in diesem Buch zu finden ist oder in einem der anderen neueren Ausgaben, kann man sich auf der SPIEGEL ONLINE Seite anschauen.


Mein Eindruck:

Ich bin nicht gerade der Vielflieger. Momentan habe ich gerade mal vier Inlandsflüge mit Germanwings hinter mir. Vor meinem ersten Flug war ich wahnsinnig aufgeregt, was sich schnell gelegt hat und den Rückflug weit entspannter ausfallen lies. Der Dritte war weniger entspannt, da ich versehentlich noch vom Picknick vor einer Woche ein Messer im Rucksack stecken hatte. Dem enstprechend geschockt war ich bei der Handgepäckkontrolle. Seit dem bin ich nie wieder geflogen. Aber gut dass die Kontrolle nicht nur zum Spaß da ist.

So ähnlich geschockt sind einige Passagiere wenn sie Sachen hören wie: "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt." oder einfach mal ahnungslos hinters Steuer gesetzt werden, damit sich der Pilot einen Kaffee holen kann. Da fiebert und fühlt man richtig mit, aber schmunzeln muss man dann doch ein wenig, wenn man bedenkt dass im Nachhinein doch alles gut gegangen ist. Skurril ist es trotzdem!

Auch diverse Versprecher, die glatt von mir stammen könnten: "Bitte lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt! Unbeaufsichtigte Kinder werden entfernt und möglicherweise zerstört." oder Witzbolde im Cockpit, die Sprüche drauf haben wie: "Bei einem Druckverlust ziehen Sie eine der Stewardessen ganz zu sich heran und drücken Sie sie fest auf Mund und Nase." bringen einen doch immer wieder zum lachen oder zumindest schmunzeln.

Nach diesem Buch bin ich davon überzeugt, dass Piloten entweder zu gelangweilt, noch nicht ganz aus der Pubertät sind einfach nur zur Kategorie Klassenclown gehören. Oder warum erklären sie beispielsweise den Passagieren, dass Ihre Chefstewardess seit fünf Jahren Single und der Meinung ist, dass alle Männer untreu sind. Daraufhin erklärte er. "Da die Maschine voll mit Geschäftsleuten ist, drückt jeder Mann, der nicht dieser Meinung ist, den Serviceknopf über sich." Natürlich musste die Arme unter johlen und Applaus an fast jedem Platz den Serviceknopf wieder ausschalten.

Sehr nützlich: Vor jedem Kapitel gibt es eine kurze Einleitung zur Thematik und am Ende eine kleine Infobox wie zum Beispiel: "Was bedeuten die Geräusche beim Fliegen?".


Mein Fazit:


Wahnsinnig lustig! Keine der Geschichten ist wirklich makaber und alle Storys gehen gut aus. Ich habe dieses Buch einer Kollegin ausgeliehen, die Ihren ersten Flug noch vor sich hatte (mit etwas Bammel natürlich), aber selbst Sie war danach tiefenentspannt und empfand es als sehr amüsant. Besonders gut geeignet zum kurzen Lesen für Zwischendurch und einfach mal abschalten. Für den Umfang von unter 200 Seiten ist es aber recht teuer.










Donnerstag, 7. August 2014

Der Tänzer der Schatten von David Dalglish





Die Schattenkriege beginnen.

Er ist der Schatten, der über der Stadt Veldaren liegt. An seiner Klinge klebt Blut, aber sein Verstand ist die weit gefährlichere Waffe. Meuchelmörder, Spione und Diebe fürchten seinen Namen. Und doch ist er einer von Ihnen. Er ist der Wächter, und dies ist seine Geschichte.

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Autor: David Dalglish
Original-Titel: A Dance of Cloaks
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-442-38322-1
Seiten: 544 Seiten
Preis: € 14,00 [D] | € 14,40 [A] | CHF 20,90 
Coverart: Isabelle Hirtz, Inkcraft   
unter Verwendung einer Fotografie von Katrin Diesner 



»Dalglish gehört zu den einflussreichen Vertretern einer neuen Generation an Fantasyautoren und spielt in der selben Liga wie Peter V. Brett ind Brent Weeks.« fantasy-faction.com

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Story:

Es herrschen drei mächtige Familien in der Stadt Veldaren, neben dem König selbst. Sie werden die Trifect genannt und stellen sich durch Ihren Reichtum und dem daraus folgenden Einfluß mit den Göttern gleich. Nur die Diebesgilden wagen es sich ihnen in den Weg zu stellen. Thren Felhorn, der Gildenmeister der Spinnen und grausamster aller Diebe, strebt einen Bund zwischen allen Gilden an, um die Trifect auszulöschen und selbst über Veldaren zu herrschen. Der Krieg zwischen den Schatten und den Trifect hält schon zu lange an und das Ende naht. Währenddessen bildet Thren seinen Sohn zum perfekten Killer aus. Dies ist sein Vermächtnis das er der Welt hinterlassen will, ein Erbe mit Blut getränkt. Doch der 13-jährige Aaron fängt langsam an zu zweifeln, ob sein Vater das Richtige tut.

Mein Eindruck:

Der Tänzer der Schatten ist der Anfang der Shadowdance-Reihe, die im Englischen breits vier Bände umfasst. Ich muss zugeben, dass ich bereits mehrere Tage um das Buch herumgeschlichen bin, in der Annahme ich wäre stark genug zu widerstehen. Leider falsch gedacht. Das Cover erinnerte mich stark an Brent Weeks Nightangel Trilogie und ich liebe dieses Design einfach! Zusätzlich brachte mich die Beurteilung von fantasy-faction.com auf der Rückseite des Buches noch mehr in Versuchung, da sie David Dalglish mit Brent Weeks und Peter V. Brett vergleichen. Beide sind einfach großartige Autoren, aber natürlich kann man nie wissen wie sehr man diesen Beurteilungen Glauben schenken kann. Dennoch griff ich zu und fing schon in der Straßenbahn an zu lesen.
Ich muss zugeben, dass ich kein Freund des Lesens in Öffentlichen Verkehrsmitteln bin, aber was soll ich sagen...Es war wirklich spannend. Natürlich liebe ich Geschichten über Diebe, Assassinen, Meuchelmörder, Schattenwesen etc., aber es muss auch passen. Und es hat gepasst.
Zu meinem Überraschen floß weit mehr Blut als angenommen und obwohl ich normalerweise nicht so schreckhaft bin, wenn es um Bücher geht, musste ich einige Male schon zusammenzucken. Bestimmte Situationen hatte ich mir doch etwas zu realistisch vorgestellt als beabsichtigt. Ich rutschte also immer tiefer in das Sofa oder zuckte unwillkürlich in der U-Bahn zusammen. Sicher ein lustiger Anblick.
Trotzdem gab es auch einige wenige Mankos. Zum einen war ich der Meinung gewesen, dass Aaron der Hauptcharakter dieses Buches ist. Jedoch nehmen eher sein Vater und viele andere zahlreiche Nebenfiguren diesen Part ein, was ich zu Anfang etwas schade fand. Je weiter die Story fortschritt umso mehr machten die vielen Figuren Sinn. Ich empfand es als immer weniger lästig und wartete nicht mehr fieberhaft auf den nächsten Teil mit Aaron.
Alle Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und anders als erwartet verspürte ich keine Antipathie für die Trifect oder Thren. Jeder hat seinen ganz eigenen Standpunkt. Jeder ist auf seine Art das Gute oder auch das Böse. Ich wusste nicht für wen ich Partei ergreifen sollte und das war gut. Selten habe ich so etwas in einem Buch erlebt. Der Schreibstil hat mir besonders gefallen: Es erinnert mich im Deutschen ein wenig an Jugenbuchstil, aber an vielen Stellen tauchen vulgäre Ausdrücke und makabere Beschreibungen auf. Ich vermute, dass die englische Original-Ausgabe einen derberen Ton trägt und die Stimmung des Buches besser zur Geltung bringt. Trotzdem werde ich die nächsten Bände in der Original-Ausgabe verschlingen. Erstens sind sie schon erschienen und ich kann es kaum erwarten zu erfahren wie es weiter gehen wird und zweitens der Stimmung wegen.
Um zu den Charakteren zurückzukommen: Es gibt wie gesagt wahnsinnig viele! - die Trifect und deren Familie, reiche machtbesessene Adlige - die Diebesgilden und ihre Anführer, Mörder und Diebe ohne ein Gewissen - Thren, der gefährlichste und gerissenste von Allen - Aaron, ein  junger talentierter Dieb, der alles tut was sein Vater sagt, bis er ihm seine Menschlichkeit verwehrt - Kayla, eine gildenlose Informantin die durch ihre Geschicklichkeit mit den Messern zu Threns rechter Hand aufsteigt - der junge paranoide König mit seinem Hauptmann als Berater, der eigentlich alle Zügel in der Hand hält - die Oberhäupter der zwei Gottheiten - die Gesichtslosen und noch viele viele mehr. David Dalglish erklärt die Flut an Figuren in seinem Nachwort. Aaron ist ein Charakter aus einer anderen früheren Reihe. Sein Vater hat ihn darauf gebracht Aaron, der immer sein Ass im Ärmel für schlimme Situationen war, eine eigene Reihe zu widmen. Gesagt getan und er tobte sich buchstäblich aus. Er brachte immer mehr Figuren und Handlungsstränge ins Spiel. Author gone wild! sozusagen und veröffentlichte es auf eigene Faust. Es war ein totales Durcheinander mit vielen Logikfehlern, aber trotzdem, ZUM GLÜCK, sehr beliebt bei seiner Leserschaft. Dieses Buch, was ich nun lesen durfte, ist eine überarbeitete Fassung. Ich staune wie er sein eigenes Werk noch einmal dermaßen überarbeiten konnte, ohne schier den Verstand zu verlieren. Auch wenn man noch merkt, dass es etwas holprig ist, empfinde ich es als ein gelungenes Werk. Ich freue mich wahnsinnig auf den zweiten Teil.

Mein Fazit: 

Definitiv ein MUSS für alle Fans der Schatten-Fantasy! David Dalglish ist auf dem besten Weg zur Perfektion, um sich tatsächlich mit Peter V. Brett und Brent Weeks gleichstellen zu können. Es fehlt nur eine Haaresbreite, aber vielleicht hat er dies schon mit seinem zweiten Teil erreicht...wer weiß! Der Tänzer der Schatten ist ein sehr flüssiges und leicht verständliches Buch, deswegen würde ich es noch in die Jugendbuchabteilung einordnen, obwohl es teilweise etwas vulgär ist. Da es wie gesagt, eigentlich ein Experiment war, hat es trotzdem noch ein paar kleine Kinderkrankheiten, aber da kann man getrost drüber hinwegsehen.
Sonst hab ich eigentlich nur eins zu sagen: Lesen! Lesen! LESEN!

Also dann: Vielen Dank fürs Vorbeischauen und Viel Spaß beim Lesen~ ^~^v